Trendwende im Zahlungsverkehr: Warum New York das „Cashless“-Modell stoppt.

Manchmal kommen die zukunftsweisendsten Nachrichten aus der Vergangenheit. New York, oft als Vorreiter weltweiter Trends betrachtet, hat ein deutliches Signal gesendet: Die Zukunft ist nicht rein digital. Der Bundesstaat New York hat ein Gesetz verabschiedet, das den Einzelhandel und die Gastronomie verpflichtet, Bargeld als Zahlungsmittel zu akzeptieren.
Für uns bei Inkiess und alle Verfechter der Bargeldkultur ist dies ein entscheidender Moment. Während in Europa oft über Bargeldobergrenzen diskutiert wird, schützt einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte der USA gesetzlich den Schein und die Münze.
Das neue Gesetz: Was Händler wissen müssen
Gouverneurin Kathy Hochul hat Ende 2025 ein Gesetz unterzeichnet, das voraussichtlich im März 2026 in Kraft tritt. Der Kern ist simpel, aber mächtig: Geschäfte dürfen Bargeld nicht ablehnen. Wer in New York ein Sandwich kauft oder im Supermarkt steht, muss das Recht haben, mit US-Dollar in bar zu bezahlen.
Das Gesetz (Senate Bill S4153A) sieht vor, dass Einzelhändler und Lebensmittelgeschäfte keine zusätzlichen Gebühren für Barzahler erheben dürfen. Verstöße können mit Geldstrafen von bis zu 1.000 US-Dollar geahndet werden. Es gibt zwar Ausnahmen – etwa für Parkhäuser oder reine Online-Geschäfte –, aber der stationäre Handel wird zur Bargeldannahme verpflichtet.
Warum dieser Schritt zurück zum Bargeld?
Die Argumente der Gesetzgeber decken sich mit dem, was Bargeldlogistiker schon lange wissen:
- Inklusion statt Ausgrenzung: Laut der Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) haben Millionen von amerikanischen Haushalten kein Bankkonto (die sogenannten „Unbanked“). Reine „Cashless Stores“ diskriminieren diese Menschen sowie oft auch Senioren, die sich mit digitalen Zahlungsmethoden schwerer tun.
- Datenschutz: Bargeld ist das einzige Zahlungsmittel, das keine digitalen Spuren hinterlässt. In Zeiten von „Surveillance Pricing“ und Datensammlerei ist die Barzahlung ein Akt der Privatsphäre.
- Resilienz: Technische Ausfälle, Stromschwankungen oder Systemfehler legen den digitalen Zahlungsverkehr lahm. Bargeld funktioniert immer („Cash always works“).
Was bedeutet das für den Handel?
Die Entscheidung New Yorks ist Teil eines größeren Trends in den USA (auch Philadelphia und San Francisco haben ähnliche Regeln). Sie zeigt, dass der Traum vom komplett bargeldlosen Laden („Cashless Retail“) an gesellschaftlichen Realitäten scheitert.
Für Händler bedeutet dies: Bargeldprozesse müssen optimiert, nicht abgeschafft werden. Anstatt die Kasse abzuschaffen, sollte der Fokus darauf liegen, das Zählen, Sortieren und Aufbewahren von Bargeld so effizient und sicher wie möglich zu gestalten. Wer Bargeld akzeptieren muss, sollte es smart tun – mit den richtigen Zählbrettern und Organisationssystemen, um Zeit und Kosten zu sparen.
Fazit
New York zeigt: Bargeld ist kein Relikt, sondern ein Grundrecht der Verbraucher. Wenn selbst die Stadt, die niemals schläft, auf den Dollarschein besteht, dürfen wir auch hierzulande selbstbewusst sagen: Bargeld bleibt.
Zuletzt veröffentlicht: