Was ist eine Geldzählkasse? Aufbau, Bauarten und wofür man sie braucht

Kurz gesagt: Eine Geldzählkasse ist eine Kasse für Münzgeld, in der die Münzen nach Wert getrennt in Rillen oder Behältern liegen. Den Bestand liest man an einer Skala ab, statt jede Münze einzeln zu zählen. Es gibt sie als Geldkassette mit Münzzählbrett und als Geldzählkasse mit herausnehmbaren Einzelmünzbehältern – der Bauart, die INKiESS seit 1935 in Berlin fertigt.
Kennen Sie das? Feierabend, die Schublade ist voller Kleingeld, und irgendwo zwischen dem dritten Fünfzig-Cent-Stapel verzählt man sich. Genau dafür ist die Geldzählkasse gebaut: Am Ende des Tages liest man den Münzbestand an der Skala ab, statt Münze für Münze zu zählen.
Was ist eine Geldzählkasse?
Eine Geldzählkasse ordnet Münzgeld so, dass sein Wert sichtbar wird. Die Münzen liegen nach Wert getrennt in Rillen oder Behältern – bei einer Geldzählkasse mit acht Behältern hat jeder Euro-Münzwert von 2 Euro bis 1 Cent seinen eigenen. An einer Skala daneben steht, wie viel Geld darin liegt.
Wichtig ist der Name: „Geldzählkasse“ bezeichnet die Bauart, nicht einen Zählmotor. Eine INKiESS Geldzählkasse hat keine Elektronik, keinen Akku und kein Display. Sie zählt nicht selbst – sie zeigt den Kassenbestand an. Die Anordnung der Münzen macht den Betrag sichtbar, und wer hinschaut, liest ihn ab.

Wie funktioniert eine Geldzählkasse?
Das Grundprinzip heißt bei INKiESS „Ablesen statt Zählen“. Die Münzen stehen nicht als Haufen in einer Mulde, sondern hochkant in einer Münzrille, sortiert nach Wert. Ein Blick auf die Skala genügt, um den Betrag zu kennen.
Bei der INKiESS Geldzählkasse kommt ein Detail dazu, das sie seit 1935 auszeichnet: die schräg gestellte, versetzte Fünferstaffel.
- Die Münzen liegen schräg in Gruppen zu je fünf. So erkennt das Auge auf einen Blick, ob eine Gruppe vollständig ist.
- Die erste Münze unten sitzt versetzt tiefer als die übrigen. Im Einzelmünzbehälter ist dafür eine vertiefte Aussparung im untersten Münzfach eingearbeitet.
- Das hat einen handfesten Grund: Münzen sind im Umlauf unterschiedlich abgenutzt und deshalb nicht alle gleich dick. Die versetzte Fünferstaffel macht das Ablesen unabhängig davon, wie dick die einzelnen Münzen sind.

Dazu kommen zwei Markierungen, die beim Umgang mit Münzrollen helfen:
- Der „denkende Strich“ ist der bewährte Rollstrich. Er zeigt an, bei welchem Betrag eingerollt werden kann. So lassen sich Münzrollen leicht herstellen und neu geöffnete Rollen auf Vollständigkeit prüfen.
- Der „zählende Pfeil“, eine dreieckige Markierung, zeigt die Stelle, an der man aus einem vollen Behälter den Inhalt einer Münzrolle entnimmt – ohne den restlichen Münzbestand umsortieren zu müssen.
Im Alltag heißt das: Eine ganze Münzrolle lässt sich auf einmal einlegen, und zum Herausnehmen greift man mehrere Münzen gleichzeitig.
Welche Bauarten gibt es?
Unter „Geldzählkasse“ werden im Handel recht unterschiedliche Dinge verkauft. Die wichtigsten Bauarten im Überblick:
| Bauart | Was es ist | Bei INKiESS |
|---|---|---|
| Geldkassette mit Münzzählbrett | Kassette, meist aus Stahlblech und abschließbar, mit einem Münzzählbrett als Einsatz | Stahlkassetten mit INKiESS Münzeinsatz |
| Einteiliger Münzeinsatz | ein Brett mit Rillen für die Münzwerte | MiNiCOiN, MAXiCOiN |
| Geldzählkasse mit Einzelmünzbehältern | ein Untersatz mit herausnehmbaren Einzelmünzbehältern, einer je Münzwert | REKORD, MiNiKORD |
| Kassenkombination | Geldzählkasse plus Scheinfächer für Banknoten | z. B. REKORD Kassenkombination 86 PL, MiNiKORD 805 |
| Einsatz für die Kassenschublade | passt in die Schublade einer elektronischen Kasse | Einsätze für 55 Kassenschubladen von 21 Herstellern |
| Geldzählkasse im Gehäuse | in einer abschließbaren Kasse verbaut | z. B. EUROKORD Rolljalousiekassen mit Sicherheits-Zylinderschloss |

Der Einsatz in der Kassette hat viele Namen. Wer danach sucht, findet ihn als Zählbrett, Münzzählbrett, Münzbrett, Geldzählbrett, Münzeinsatz, Hartgeldeinsatz oder Kasseneinsatz – gemeint ist fast immer dasselbe Prinzip.
REKORD oder MiNiKORD? REKORD ist für größere Münzmengen gebaut: Der 2-Euro-Behälter fasst 130 Euro. MiNiKORD ist kleiner, dort sind es 80 Euro. In heutigen Kassen ist der Platz knapp – deshalb steckt in Kassenschubladen fast immer MiNiKORD. Das REKORD Grundmodell gibt es als Geldzählkasse 6 PL, 8 PL und 10 PL, MiNiKORD als Geldzählkasse 60, 70 und 80.

Wofür braucht man eine Geldzählkasse?
Überall dort, wo Münzgeld den Besitzer wechselt und am Ende stimmen muss:
- Kassenabschluss: Der Bestand steht an der Skala, statt Stapel für Stapel gezählt zu werden.
- Schichtübergabe: Beide Seiten sehen denselben Betrag – das minimiert Kassendifferenzen.
- Wechselgeld vorbereiten und Münzrollen bilden: Der denkende Strich zeigt, wann eine Rolle voll ist.
- Währungswechsel: Wird die Währung gewechselt, wird der Münzeinsatz getauscht – die Kasse bleibt.

INKiESS Geldzählkassen sind unter anderem in Geldinstituten und Behörden im Einsatz, im Einzelhandel und an Tankstellen, in Gastronomie, Kinos und Museen, bei Vereinen und Veranstaltern. Ein Beispiel aus der Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation: eine INKiESS Geldzählkasse 88 PL/G für Euro, die 2007 von der Deutschen Post AG in die Sammlung übernommen wurde.
Geldzählkasse, Geldwaage oder Münzzählmaschine?
Alle drei helfen beim Kleingeld, aber sie arbeiten grundverschieden:
| Geldzählkasse | Geldwaage | Münzzählmaschine | |
|---|---|---|---|
| Prinzip | zeigt den Bestand an der Skala an | wiegt die Münzen und rechnet das Gewicht in einen Betrag um | zählt die Münzen maschinell, oft mit Sortierung |
| Strom | nicht nötig | Batterie oder Netzstrom | meist Netzstrom oder Batterie |
| Das Geld liegt … | die ganze Zeit sortiert in der Kasse | zum Wiegen auf der Waage | zum Zählen im Trichter |
Der eigentliche Unterschied: Geldwaage und Münzzählmaschine werten die Münzen aus, nachdem sie auf die Waage oder in den Trichter gelegt wurden. Die Geldzählkasse zeigt den Bestand an, während das Geld in der Kasse liegt.
Woher kommt die INKiESS Geldzählkasse?
Geldzählkassen gab es schon vor INKiESS. Die Geschichte der INKiESS Geldzählkasse beginnt im Sommer 1935 in Karlsbad: Der Neuköllner Strickwarenfabrikant Walter Kießling lernt im Urlaub einen Bankdirektor kennen, der für seine Erfindung einen Produzenten sucht. Kießling erkennt, was in der Idee steckt, und erwirbt die Patentrechte an einer Geldzählkasse – mit genau dieser versetzten Fünferstaffel. Das Reichspatent von damals ist längst abgelaufen, die Bauart ist geblieben.
Am 1. Oktober 1935 wird der Betrieb in Berlin-Neukölln gegründet, damals noch unter dem Namen ANKIESS – die erste Werkstatt ist ein ehemaliger Pferdestall im Hinterhof. 1936 stellt das junge Unternehmen auf der Leipziger Frühjahrsmesse sein erstes Produkt vor, die REKORD Nr. 8. Noch im selben Jahr wird die Kasse laut Unternehmenschronik bei der Deutschen Reichsbank erprobt und danach als Arbeitsmittel in den Reichsbank-Zweigstellen eingeführt. Das öffnet den Weg zu Geschäftsbanken, Behörden und Handel. 1937 wird aus ANKIESS der Name INKiESS. Damals sprach man von der „Hartgeldzählkasse“ – den Namen REKORD trägt sie bis heute.


Seit 1935 fertigt INKiESS in Berlin. Münzeinsätze, Kassetten und Geldzählkassen: 100 % Made in Germany.
Dieselbe Anordnung liest heute auch eine App
Die Fünferstaffel wurde für das menschliche Auge entworfen, lange bevor Kameras Münzen lesen konnten. Heute liest dieselbe Anordnung auch die INKiESS Münzzähl-App: Smartphone über den Einsatz halten, auslösen, Ergebnis ablesen. Die App erkennt jede Münzreihe im Einsatz per KI-gestützter Objekterkennung – vollständig auf dem Smartphone, ohne Internet. Knipsen und Fertig!

Die App ersetzt die Geldzählkasse nicht, sie setzt sie voraus. Sie liest Original INKiESS Einsätze der Serien MiNiKORD und REKORD. Einteilige Einsätze wie MiNiCOiN und MAXiCOiN liest sie noch nicht – weitere Serien folgen. Mehr dazu: Münzenzähler-App: Knipsen statt zählen und auf app.inkiess.de.
Häufige Fragen zur Geldzählkasse
Ist ein Zählbrett dasselbe wie eine Geldzählkasse?
Fast. Zählbrett, Münzzählbrett oder Münzbrett meinen meist ein einteiliges Brett mit Münzrillen, oft als Einsatz in einer Geldkassette. Eine Geldzählkasse mit Einzelmünzbehältern besteht dagegen aus einem Untersatz mit herausnehmbaren Behältern, einer je Münzwert. Das Prinzip – ablesen statt zählen – ist dasselbe.
Zählt eine Geldzählkasse das Geld selbst?
Nein. Sie hat keine Elektronik. Sie ordnet die Münzen so, dass der Betrag an der Skala abgelesen werden kann.
Welche Geldzählkasse passt, wenn wenig Platz ist?
MiNiKORD. Sie ist für kleinere Bargeldmengen auf kleinem Raum gebaut, zum Beispiel als MiNiKORD Geldzählkasse 80 mit acht Einzelmünzbehältern von 2 Euro bis 1 Cent.
Kann man eine Geldzählkasse abschließen?
Das Grundmodell selbst nicht. Abschließbar wird sie in einer Stahlkassette oder einer EUROKORD Rolljalousiekasse mit Sicherheits-Zylinderschloss. Für den Tresor gibt es Modelle mit Deckel, die sich stapeln lassen, zum Beispiel die MiNiKORD Geldzählkasse 80 A.
Was passiert bei einem Währungswechsel?
Dann wird der Münzeinsatz getauscht – die Kasse bleibt. INKiESS Einsätze gibt es nicht nur für den Euro, sondern zum Beispiel auch für Schweizer Franken.
Passt eine Geldzählkasse in meine Kassenschublade?
INKiESS fertigt Einsätze für 55 Kassenschubladen von 21 Herstellern, darunter ANKER, CASIO, Diebold Nixdorf und VECTRON. Welcher Einsatz passt, zeigt die Übersicht der Zähleinsätze für Kassenschubladen.
Woraus bestehen REKORD und MiNiKORD Geldzählkassen?
Aus Kunststoff: Die Einzelmünzbehälter sind aus Styrol-Acrylnitril (SAN). Die REKORD Geldzählkasse 8 PL besteht laut Datenblatt aus Polystyrol (PS) und SAN und wiegt 0,68 kg.
Wolfgang Schüler, INKiESS Redaktion
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Quellen: Produktangaben und Unternehmensgeschichte: INKiESS Bargeldlogistik GmbH · Sammlungsobjekt: Museumsstiftung Post und Telekommunikation
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